Zwischen Studium, Arbeit und Leistungssport

Wie man ein Vollzeit-Master-Studium absolviert, parallel 17 Stunden die Woche arbeitet und dazu auch noch bis zu 100km die Woche läuft.

Über den Autor: Ich bin einer der Gründer von LG4ML und studiere nach meinem Bachelor in Wirtschaftsinformatik seit Oktober 2022 an der Leuphana im Master Management & Data Science. Neben dem Studium arbeite ich als Werkstudent in Entwicklung & Consulting bei der Erason GmbH. Neben Studium und Arbeit bin ich zudem als Leistungssportler auf der Mittel- und Langstrecke unterwegs und regelmäßig bei überregionalen Wettbewerben am Start. Bei LG4ML bin ich dabei, weil mich insbesondere Deep Learning sehr interessiert und ich sowohl meine Begeisterung als auch mein Wissen mit anderen teilen möchte.

Nils

LG4ML Gründer & Team Lead

"Studierende sind den größten Teil der Zeit betrunken, stehen meist nicht vor 11 Uhr auf und haben auch sonst ein ziemlich entspanntes Leben!"
~ Jeder
immer

Deckt sich das Klischee mit meinem ersten Master Semester? Wohl eher nicht. Zugegeben bin ich in vielerlei Hinsicht nicht so ganz der durchschnittliche Studi, bspw. habe ich bisher noch die eine Klausur in die zweite Klausurenphase geschoben (und das wird vermutlich auch nicht mehr passieren in den verbleibenden zwei Semestern Studium). Dennoch heißt es meiner Meinung nach nicht zu Unrecht „Vollzeit-Studium“ – insgesamt verbringt man doch (gerade im Master) die eine oder andere Stunde am Schreibtisch und sucht nach dem Muster in einem Haufen an Zahlen oder verzweifelt bei dem Versuch, irgendeinen belanglosen Beweis für die nächste Mathe Übung zu Papier zu bringen. Alles in allem also doch recht zeitfüllend, auch wenn es natürlich auch mal Phasen im Semester mit ein bisschen weniger Workload gibt – zum Glück!

Symbolbild Studium

Womit ich meine Zeit verbracht habe

Da bleibt also scheinbar noch ein bisschen Zeit offen in der Woche, die für anderes genutzt werden kann. Bei mir waren das dem Titel zufolge Arbeit und Sport. Zum Glück hat man als Werkstudent in einem IT Start-Up jede Menge Freiheiten was die Arbeitszeiten angeht. So stört es absolut niemanden, wenn man dann doch mal erst um 11 auf der Arbeit erscheint, die wöchentlichen Stunden sollte man aber in jedem Fall zusammenbringen. War da nicht irgendwas mit 11 Uhr? Das war die Zeit, an dem Studis angeblich aufstehen. War das bei mir im Semester ein einziges Mal der Fall? Leider nicht – falls ich einmal nicht standardmäßig um 9 Uhr im Büro war, lag das meist am morgendlichen 10-15km Dauerlauf um die Beine nach der Track Session des Vorabendes ein bisschen zu lockern und im Büro nicht über schwere Beine klagen zu müssen. Klingt stressig? Ist es in Teilen auch, aber auch nicht vollständig!

Gerade morgens bei Sonnenschein auf dem Treidelpfad an der Ilmenau entlang zu laufen (oder auch rollen, so nennt man das im Fachjargon)  hebt die Laune zumeist ziemlich gut an und lässt schlechte Gedanken und Stress für eine Stunde verschwinden. Unter der folgenden Dusche hat man dann noch kurz Zeit sich auf den Tag einzustellen und To Dos durchzugehen, also definitiv ein guter Start in den Tag – von der Seite her also eine klare Empfehlung! Eher weniger empfehlen kann ich die stressigen Phasen im Semester. Gerade die OSI „Klausur“ (aka. Kombinierte Wissenschaftliche Arbeit, bestehend aus zwei hintereinander geschriebenen schriftlichen Teilen) im Dezember hat den Start in das Master Studium nicht gerade entspannt gestaltet. Den Workload eines gesamten Semesters in 8 Wochen durch zu prügeln ist dann doch recht sportlich. Und nur weil in einem Modul eine Prüfung ansteht, heißt das ja bei Weitem noch nicht dass es in den anderen Modulen ruhiger zugeht…

Warum das Ganze funktioniert hat

Was meine Learnings aus diesem vollen Semester sind und wie man so viel in einer Woche unterbringen kann? Am wichtigsten: Feste Strukturen und ein gutes Zeitmanagement! Für mich als Leistungssportler ist es inzwischen zur festen Gewohnheit geworden, die Woche um die Einheiten (also den Sport) herum zu planen und alles möglichst gut unter einen Hut zu bekommen – was leider auch nicht immer klappt, aber doch meistens. Trotz allen Aufgaben und Deadlines ist es dennoch wichtig, genug Schlaf zu bekommen und hin und wieder auch mal einen Tag frei zu nehmen um abzuschalten. Und falls das beides nicht funktioniert, gibt es ja noch ein weit verbreitetes Wundermittel: Kaffee! Ohne Kaffee wäre bei mir vermutlich die eine oder andere Studi Session oder Arbeitsstunde wesentlich unproduktiver gewesen, aber trotzdem würde ich von mir behaupten nicht Koffein-abhängig zu sein. Dritter wichtiger Punkt: Disziplin & Mindset. Soll hier jetzt kein Motivational-Talk werden, aber wo ein Wille ist da ist auch meist eine Lösung.  Außerdem hilft es mit Sicherheit eher das zu Sehen was funktioniert hat, und sich nicht zu lange an schlechten Dingen aufzuhalten.

Trotz der persönlichen Planung und so weiter sind meiner Meinung nach aber Mitmenschen am wichtigsten, um Freude und Motivation zu bekommen. In meinem Fall geht da ein großer Dank an meine WG raus, die mich häufig nach harten Trainingseinheiten mit Essen auf dem Tisch erwartet hat. Auch MitläuferInnen und Studierende sind im wesentlichen Maße dafür verantwortlich, dass ich (meist) mit Freude zum Training und in die Uni komme – vielleicht mal mit Ausnahme der 8:15 Uhr Mathe Vorlesung am Donnerstag.

Wie es kommendes Semester weitergeht

Wie kann ich also mein Semester zusammenfassen? Alles in allen ein unfassbarer Erfolg, super viel Spaß, neue Herausforderungen, neue Freundschaften, gewinnbringende Gruppenarbeiten und neue Bestzeiten auf der Rundbahn! Aus dem ersten Semester konnte ich (trotz einer gewissen Basis im Bereich Machine Learning) super viel mitnehmen und hab dadurch nochmal ein deutlich besseres Grundverständnis für die Arbeit mit Daten bekommen. Auf der Arbeit konnte ich vieles direkt anwenden und meine eigenen Ideen als Entwickler / Data Scientist in die Praxis umsetzen. Im Sport habe ich in 6 Monaten eines an Kilometern gesammelt und konnte im Hallenrennen im Januar über 3.000m mit 9:13min eine neue Bestzeit einsammeln. Wie wird also das kommende Sommersemester aussehen? Vermutlich sehr ähnlich – vielleicht nur erstmal mit dem Unterschied dass ich aktuell im Consulting aushelfe. Sonst freue ich mich auf weitere spannende Lehrveranstaltungen (auch wenn diese um 8 Uhr morgens sind), schweißtreibende Tracksessions und die eine oder andere Nudelbombe zum Mittag im Büro. In diesem Sinne, reingehauen und Abfahrt in zwei Wochen Entspannung bis zum neuen Semesterstart!